13.10.2014 | Presse

Internationaler Automobil Kongress ASEAN

Experten beleuchteten Wachstumschancen und Potenziale des südostasiatischen Automobilmarktes

Die ASEAN-Region, lange im Schatten anderer asiatischer Märkte, stand am 13. Oktober im Fokus des Internationalen Automobil Kongresses auf dem Forum AutoVision der Wolfsburg AG. Die weltweit drittgrößte Freihandelszone ist auf Grund steigender Einkommen und zunehmender Konsumneigung einer stetig wachsenden Mittelschicht insbesondere für Automobilhersteller und international agierende Zulieferunternehmen ein höchst interessanter, aber auch sehr heterogener Markt. Hochrangige Referenten und Repräsentanten unterschiedlicher in den ASEAN-Staaten agierender Automotive-Unternehmen sowie von Verbänden erleichterten mit ihren Analysen und Erfahrungsberichten den 200 Teilnehmern das Verständnis für die Besonderheiten des südostasiatischen Automobilmarktes. Der Staatenbund ist Partnerregion der am 14. Oktober in Wolfsburg startenden 8. Internationalen Zuliefererbörse für Unternehmen der Automobilzuliefererindustrie.

„Mit Einblicken in die politische, gesellschaftliche und ökonomische Heterogenität der ASEAN-Staatengruppe und den daraus resultierenden uneinheitlichen Marktanforderungen hat der Kongress praktische Hilfestellung für Unternehmen geleistet, die ein Engagement in Südostasien auf der Agenda haben“, zeigte sich Julius von Ingelheim, Sprecher des Vorstands der Wolfsburg AG, äußerst zufrieden. Teilnehmer aus ganz Europa nahmen die Gelegenheit wahr, sich aus erster Hand über die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen dieser Wachstumsregion zu informieren.

Auf dem von der Wolfsburg AG veranstalteten Kongress begrüßte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs die Teilnehmer aus Industrie, Wissenschaft und Politik. Er betonte die besondere Attraktivität des Mobilitätsstandorts Wolfsburg und der Region, wo Zulieferunternehmen aus aller Welt beste Rahmenbedingungen vorfänden. In den vergangenen 15 Jahren hätten sich hier auch namhafte asiatische Unternehmen wie Yazaki oder Sumitomo angesiedelt.

„Lokalisierung“ als Strategie für Südostasien

Mit dem Industrie-Minister der Republik Indonesien Soerjono Soerjono hatte der Kongress einen prominenten Referenten, der mit einer positiven Einschätzung der Wachstumschancen in Südostasien für eine viel versprechende Positionsbestimmung sorgte. Allerdings müsse man sich auf die sehr heterogenen Anforderungen der ASEAN-Automobilmärkte einstellen. „Lokalisierung ist die geeignete Strategie für ein erfolgreiches Engagement in der Region. Zusätzlich bietet es die große Chance, die globale Supply Chain zu optimieren und die Stärken der Region ASEAN zu nutzen“, eröffnete Norbert Vogt, Director Regional Sourcing, Volkswagen Group Malaysia, den Themenblock „Wandel / Chancen / Strategien“. Die Chancen von regionaler Produktion, Lokalisierung und Vernetzung wurden in nahezu allen Vorträgen aufgegriffen. "Die Wachstumsmärkte der Region ASEAN sind für den Volkswagen Konzern von strategischer Bedeutung. Ziel ist es, unsere derzeitige Marktpräsenz in Südostasien weiter auszubauen und unseren Marktanteil dort langfristig deutlich zu steigern", erklärte Weiming Soh, Generalbevollmächtigter und President Commercial Operations, Greater China/ASEAN der Volkswagen AG, in seinem Beitrag über die dynamische Entwicklung des ASEAN Automobilmarktes.

Vorteile der Freihandelszone nutzen

Aktuell setze der Volkswagen Konzern insbesondere auf die sogenannten Panther-Staaten in der Region ASEAN, informierte Thomas Schäfer, Senior Vice President Group Manufacturing Overseas, Volkswagen AG Deutschland die Kongress-Teilnehmer: Indomobil montiere bereits seit 2009 als lokaler Partner von Volkswagen in Indonesien, DRB-HICOM fertigt seit 2012 Fahrzeuge als Partner für Volkswagen in Malaysia. Darüber hinaus verkaufe Volkswagen seit September 2013 importierte Fahrzeuge auch auf den Philippinen. „Wer vor Ort produziert bzw. produzieren lässt“, zeigte sich Schäfer überzeugt, „profitiert klar von den Vorteilen, die der freie Warenverkehr der ASEAN-Staaten untereinander bietet.“

Ab 2015 fallen im Zuge des Freihandelsabkommens ACFTA die meisten Zollschranken in der Region, während für die Einfuhr fertiger Produkte nach wie vor Zölle von bis zu 100 Prozent erhoben werden. Gleichzeitig entsteht mit der ASEAN Economic Community (AEC) ein riesiger liberalisierter Wirtschaftsraum mit harmonisierten gesetzlichen Regelungen, der vielfältige Möglichkeiten innerhalb der Region und für alle mit ASEAN durch Freihandelsabkommen verbundenen Länder und Regionen eröffnet.

Die Referenten unterstrichen die damit verbundene besondere Bedeutung der ASEAN Region als strategische Drehscheibe für den Automobilhandel nach China, Taiwan und Australien. In der vergangenen Dekade habe sich der südostasiatische Automobilmarkt verdoppelt, wobei allein Indonesien, Thailand und Malaysia 90 Prozent des Wachstums beigesteuert hätten. Die Region habe das Potenzial, bis 2018 zum sechstgrößten Automobilmarkt weltweit aufzusteigen.

Chancen für den Markteinstieg in Südostasien

Am Nachmittag referierten hochrangige Vertreter der malaysischen Unternehmen DRB-Hicom und WSA-Group über Potenziale für bilaterale Unternehmenspartnerschaften in Südostasien. Ihre Strategien für die Positionierung am Markt vor Ort erläuterten Thomas Chambers, Geschäftsführer Continental Automotive (Thailand) Co., Ltd. und Norbert Brosi, Executive Vice President Bosch Automotive (Thailand) Co. Ltd. Im Anschluss stellten die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) und die Deutsch-Thailändische Handelskammer Finanzierungs- und Förderlösungen vor. „Viele ASEAN-Staaten sind bestrebt, ausländische Investoren ins Land zu holen und bieten daher besondere steuerliche Anreize für den Bau von Produktionsstätten. In Thailand beispielsweise sind ausländische Unternehmen in den ersten acht Jahren zu 100 Prozent, in den darauffolgenden fünf Jahren zu 50 Prozent von Unternehmenssteuern befreit“, erläuterte Cornelius Thor, Abteilungsdirektor Deutsche Unternehmen bei der DEG.

Nach einem Rückblick auf den Tag durch Moderator Claus-Peter Köth, Redakteur der Fachzeitschrift „Automobil Industrie“, lud Julius von Ingelheim in seinem Schlusswort die Kongressteilnehmer ein, die 8. Internationale Zuliefererbörse zu nutzen, um wertschöpfende Gespräche mit den mehr als 50 ausstellenden Unternehmen aus der ASEAN-Partnerregion zu führen.